Mittwoch, 22. November 2006

Sebastian Bosse

...aka ResistantX – eine Würdigung

Der Amoklauf in Emsdetten ™ ist momentan das profitabelste Ereignis in der deutschen Medienlandschaft. Traurig nur, dass es Menschen gibt die sich darüber freuen können. Doch sollten wir hier nicht zu schnell werten, da wir die vermartklichung der Medien uns selbst zuzuschreiben haben. Schließlich macht in Deutschland ja immer noch das Volk die Politik, oder etwa nicht?

Für ein Land, das sich die Pressefreiheit auf ihr Aushängeschild schreibt, gab es in den letzten Tagen recht viele zensurale Prozesse. Die Homepage des „Killerspiel“-Spielers http://www.stay-different.de, auf der Sebastian seinen Abschiedsbrief veröffentlicht hat, ist immer noch down. Zum Glück gibt es genügend alternative Quellen. Nachzulesen ist der psychoanalytisch wertvolle letzte Eklat eines Selbstmörders in der Originalfassung auf http://www.arschlog.com/mirrors/staydifferent/.

Ausweglosigkeit als Weg

In Sebastian Bosse haben wir ein Individuum vorliegen, welches im Inneren äußerst zerstritten ist. Einerseits lobt er die Freiheit und wettert in seinem Abschiedsbrief, als Versuch seinem Tode einen heroischen Beigeschmack zu verleihen, gegen den Staat, Gesetze und die gesellschaftliche Norm, träumt aber selbst von der uniformen Heterogenität einer Bundeswehrkarriere.

Um ein wenig tiefer in die Psyche der betreffenden Person einzutauchen helfen uns seine Tagebücher (http://resistantx.livejournal.com/) und seine audiovisuelle Selbstdarstellung:





weitere Videos



Sein Motto: „Das Leben ist Scheiße aber mach dir nichts draus, lebendig kommst du sowieso nicht raus!“ (Profil von ResistantX, Rechtschreibung korrigiert), welches zunächst noch humoristisch anmutet und in dieser Quotation auch verbreitet ist, wird ihm in den letzten Schuljahren zum Verhängnis.

Sein Nickname „ResistantX“ (alles ist nur bis zu einem bestimmten Punkt X resistent), wie auch seine Lebensphilosophie, die er in mehreren Foren preisgegeben hat, stehen für Vergänglichkeit. Die Ephemerität des Lebens ist sein Motor und gleichzeitig sein Ruin. Viele Menschen durchleben während der Pubertät eine Phase der philosophischen Orientierung. Der Verstand des Kindes erwacht und verlangt Antworten auf Fragen, die ihm weder Wissenschaft noch Vormünder geben können. Wie man mit diesen Sinnfragen umgeht muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Manche betäuben sich, manche suchen die Antworten in den Religionen und manche schustern sich selbst etwas zusammen. Kritisch wird es nur, wenn man wie im Falle Sebastians auf keine Lösung kommt.

Seine Sinnfrage bleibt unbeantwortet und er verspürt das existentielle Dilemma, welches er als SAART tituliert. In seinen Tagebüchern hat er allerdings noch keine Todessehnsucht, man könnte paradoxerweise viel mehr eine Thanatophobie diagnostizieren, die allerdings von der Angst des Vergessenwerdens, welche man als Lethophobie bezeichnen könnte, motiviert ist. In seiner Sturheit, in der ihn seine Umwelt noch unterstützt, sieht Sebastian keinen Weg mehr ein Glück versprechendes Leben, welches eng mit dem berühmt werden verstrickt ist, zu führen. Dieser Umstand schürt seine Angst und lässt in ihm den Plan heranwachsen sich ein Denkmal zu setzen. Eine Tat die seinem Leben, wenn schon keinen Sinn, dann doch wenigstens Bekanntheit verleihen würde: der Amoklauf.

Schon merkwürdig, dass unsere Gesellschaft immer erst so ein Ereignis braucht um zu hinterfragen, ob der status quo der Nachwuchsförderung ein zu überarbeitender ist. Sehr schade finden Wir daran nur, dass unsere soziale Gemeinschaft es offensichtlich immer noch nicht geschafft hat sich von medievalen Schuldzuweisungen zu lösen und endlich offene selbstkritische Diagnosen anzustellen. Ich gehe da Hand in Hand mit Herrn Bergmann (Zeit.de), wenn Wir behaupten, dass es kaum ausreichen kann, in einem Kurzschluss den Jugendlichen Teile der Medienlandschaft zu verbieten, sondern es vielmehr nötig ist mehr Engagement und Gelder in den Bildungs- und Förderungsapparat zu investieren. Dazu gehören auch alle sozialen Einrichtungen wie Vereine, Gemeindenprojekte, religiös motivierte Angebote und vor allen Anderen die Elternschaft. Eine moderne Gesellschaft wie die Unsere kann es sich nicht leisten das Interesse an den Nachkommen zu verlieren. Sonst wird uns knallhart Darwins Selektionshammer treffen. Mögen die Götter uns gnädig sein.

Solltet ihr den Wunsch verspüren mit ehemaligen Klassenkameraden und selbsternannten Faschismusgegnern zu diskutieren, könnte das just eröffnete Forum auf http://www.keinmensch.de/ euer Interesse wecken.

Ich hoffe Wir konnten eure Meinung ein wenig beeinflussen.
lc&me

Keine Kommentare: